Einmal Untersberg und zurück

Nein, das ist er nicht, der Untersberg;), das ist der Watzmann, mein Blick am ersten Abend, noch bei strömendem Regen. Viel näher, als es hier aussieht. Dahin gefahren bin ich, um mir mal selbst ein Bild zu machen von dem so magisch und mystisch beschriebenen Untersberg. Doch bereits am ersten Abend stellte sich ein beklemmendes Gefühl ein. Er zog mich gar nicht mehr an, ich beschloss, den nächsten Tag abzuwarten, vielleicht war es nur der Regen, die düstere Atmosphäre. Doch auch das bessere Wetter am nächsten Tag veranlasste mich nicht, zum Untersberg zu fahren. Stattdessen fuhr ich an einen kleinen Bergsee beim “Zauberwald”, der Name gefiel mir.

Wunderschön, eigentlich;). Wären da nicht schwindelerregende enge Bergstraßen vorangegangen, mit Wohnmobil echt eine Herausforderung, und dann nicht die Massen von Menschen gewesen, viele zieht es offenbar in das Kesselgebiet um Berchtesgaden. Doch die schönste Natur kann ich leider nicht wirklich genießen, ohne Ruhe und Stille, und wenn ich meine beiden Hunde nur ganz eng halten muss, um an den Menschen vorbeizukommen. Interessant nur, dass mir in dieser Enge etwas inneres Enges bewusst wurde, was ich zu verändern hatte.

Kaum hatte ich dies getan, wusste ich, ich fahre hier wieder weg. Als wäre es nur darum gegangen. Und der Untersberg? Was wird alles geschrieben über ihn, spiritueller Anziehungspunkt verschiedenster Menschen, der Dalai Lama soll gesagt haben, er wäre das Herzchakra Europas. Doch auch Hitler war magisch davon angezogen, ein Haus ließ er ganz in der Nähe bauen. Vor Jahren wollte mir eine Frau mal ein Buch leihen, über die schwarzen Steine vom Untersberg. Ich wollte es nicht mitnehmen, es stieß mich ähnlich ab, wie jetzt, dorthin zu fahren.

Ich hätte nun zweifeln können, warum will ich denn da nun nicht hin? Doch mein Körper sprach auf seine Weise, Kopf- und Nackenschmerzen, wie ich es überhaupt nicht kenne. Ich musste da erstmal rausfahren, blieb in der Nähe, um noch einmal mit Blick zurück zu schauen. Und ich sagte mir, egal, was das jetzt ist, vertraue dir, deinem Körper und Gefühl, und egal, was alles gesagt und geschrieben wurde. Ich bin nun wirklich nicht jemand, der Herausforderungen scheut, aber hier durfte ich einfach mal gut für mich sorgen, es muss nicht immer nur hart sein;)

Das ist er nun, der Untersberg, aus wohltuender Entfernung. Und ich lasse ihn da, so wie er ist. Ein Gefühl lässt mich nicht los, dass um ihn herum einfach ein bisschen sehr viel mit Macht und Manipulation gespielt wurde. Wenn das Europas Herzchakra sein soll…naja, ich lasse das mal so stehen. Und ob der Dalai Lama alles weiß;)? Es wird grade im Moment ja auch wieder wirklich viel verkündet und behauptet. Wer weiß, vielleicht ist die Botschaft vom Untersberg heute eine ganz andere? Zum Beispiel, hört auf, irgendwas in mir zu suchen, oder von mir haben zu wollen, kümmert euch um euch wie ich mich um mich. Ich wusste für mich jedenfalls nur eins. Ich mag es grade weiter, offener, unbegrenzter und weicher…

Und kaum hatte ich den Untersberg innerlich verabschiedet, gab es keine Schmerzen mehr. Auch meine Intuition und Klarheit kam zurück, es war, als wäre eine eiserne Hand von mir abgefallen. Ich wusste, wo es für mich hingeht. Obwohl eigentlich grade alles überfüllt ist, fand ich einen zauberhaften, ruhigen vorübergehenden Stellplatz an einem Bauernhof, freilaufende Hühner, Gänse, Enten und mein erster Gang in die Umgebung ließ mich wieder aufatmen…Berge, immer noch, die Chiemgauer Alpen jetzt, aber vieles mehr, Wiesen, Weite, in alle Richtungen offen, glasklarer Fluss, Sand, Steine, See und keine Menschenseele weit und breit:) Hier bleibe ich mal ein bisschen…

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