Einfach ICH BIN?

Als ich jetzt wieder einmal vor dem “Über mich” saß, spürte ich, nein, einfach ist es nicht. Geschult werden wir ja, gute Bewerbungen zu schreiben, unsere Kompetenzen darzustellen, uns ins beste Licht zu setzen mit dem Augenmerk, was kommt am besten an. Wenn ich manchmal erzählt habe, was ich an Ausbildungen gemacht habe, wurde ich damit konfrontiert, dass es beeindruckt. Ich selbst habe mich im Laufe meines Lebens auch beeindrucken lassen. Von denen, die es zu wissen schienen. Und immer mehr bin ich dabei auch dem “Schein” auf die Spur gekommen. Das war ebenso nicht so einfach. Denn ich glaube, Voraussetzung dafür ist, sich selbst gegenüber ziemlich ehrlich zu sein. Wie gerne wollen wir von uns selbst ein gutes Bild haben, wir haben ja “gut” zu sein, innerlich geprägt von dem Anspruch der christlichen Nächstenliebe, äußerlich mit dem Maßstab des Erfolges und Beifalls anderer Menschen. Bekommen wir ihn, sind wir “richtig”.

Und das setzt sich genauso fort, wenn wir uns auf einen spirituellen Weg begeben. Haben wir einst die Eltern auf das Podest der Alleswissenden gesetzt, sind es nun spirituelle Lehrer, im Grunde egal, wen ich mir da suche. Diejenigen, die es für mich wirklich waren, nannten sich nicht so. Eines war mir irgendwann klar. Je mehr ich mich selbst in mein eigenes “Dunkel” wagte, umso mehr brach der äußere Schein zusammen. Das ist ohne Frage schmerzhaft. Wie gerne hätte ich mir meine Eltern als die “Guten” erhalten, wie gerne mein eigenes Leben als das “Richtige”, wie gerne die Lehren anderer als die einzige “Wahrheit”, der ich nur folgen muss. Wie viele gibt es, die von sich erklären, sie sind die Lichtarbeiter für die neue Zeit, oder diejenigen, die das Wissen der alten Zeit wie einen heiligen Gral hüten ungeachtet dessen, dass auch hier wieder, egal wo ich hinschaue mit Manipulation und Machtmissbrauch gearbeitet wurde. Magie ist ein schönes Wort. Wende ich sie bewusst an, bin ich mit einem Fuß bereits wieder genau da drin. 

Licht und Liebe, ja, auch das sind schöne Worte. Und gerade habe ich wieder gehört, genau jetzt sei es auf einmal ganz einfach, das “Dunkel” abzuschütteln, nein, es falle geradezu von uns ab. Klingt verführerisch…und führt genau wieder in die Falle. Denn dann muss das “Dunkel” ja schlecht sein. Dann dürfen wir uns allerdings leider auch nicht ehrlich zeigen. Mit all den natürlich ungeliebten Schattenseiten in uns, welche immer ihre Geschichte haben. In uns selbst, wie auch in der Geschichte der Menschheit. Führt das in die Heilung und Liebe? Ich habe anderes erfahren. Als ich anfing, nicht mehr die Gute sein zu müssen, nicht mehr die Perfekte, nicht mehr die immer und alles Liebende, nicht mehr das Dunkel in mir Verdrängende. Als mir Menschen begegneten, die den Raum dafür öffneten. Mit ihrer eigenen Ehrlichkeit. Die es nicht brauchten, dass ich sie auf ein Podest stellte, ihnen am Mund hing oder sie glorifizierte. 

Nein, viele waren es nicht. Es waren aber die Entscheidenden, die mir ermöglichten, Mut zu haben, meine eigene Wahrheit zu finden. Die nicht weg liefen, wenn sie mit meinem “Dunkel” konfrontiert wurden. Und die selbst eines waren. Authentisch. Auch ein großes Wort. Doch genau diese Menschen, die nicht nur von Licht und Liebe sprachen waren diejenigen, die mich das haben fühlen lassen. Weil sie nichts mehr ausgrenzten. Weil alles da sein durfte. Weil sie sich selbst “Fehler” erlaubten und diese eingestanden. Weil sie es nicht zulassen, dass man ihnen nachläuft. Weil sie einen eher wegschicken, als an sich binden zu wollen. Warum? Weil es ihnen nicht um Macht geht, nicht um Manipulation, nicht um Beifall, nicht um Missbrauch bedürftiger Menschen. Weil sie auch heute und im Jetzt nicht die “Guten” sind. Und das ist unglaublich befreiend. Doch ohne Frage auch herausfordernd, denn es sind auch die Menschen, die sehr schnell ihre Wahrheit in Liebe sagen, wenn man mal wieder dabei sein sollte, irgendeiner Selbstlüge aufzusitzen. Weil es ihnen nur darum geht. Dem anderen zu erlauben, authentisch zu sein. 

Ach so, ja und deswegen gibt es bei mir eben keine “beeindruckende” Selbstdarstellung. Nur meine eigene Wahrheit. Meine Fragen. Meine Ehrlichkeit. Meine Unbequemlichkeit. Denn leider lasse ich mich heute nicht mehr so leicht beeindrucken. Nicht von Geld, von Besitz, von Erfolg, von Macht, von Scheinheiligkeit oder von großen Reden. Naja, manchmal schon…bis mir dann jemand wieder die Augen öffnet;). Ich möchte gar kein “ICH BIN” sein…denn ich bin einfach unterwegs…bereit, zu lernen, zu wachsen, jederzeit meine Formen zu ändern, wenn etwas nicht mehr stimmig ist…Ein “ICH WERDE” klingt nicht unbedingt besser, beinhaltet es ja wieder dieses noch nicht so weit sein…Naja, für Manches gibt es vielleicht nicht das eine Wort…daher brauche ich wohl immer so viele;). Im Nachklang meiner eigenen Worte kam mir, vielleicht ist es ja das Zauberwort “UND”… Das klingt dann so: Ich bin UND ich werde, ich bin Licht UND Dunkel, ich bin stark UND schwach…und dann werden es auch wieder viele Worte;)…

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