Wahrheit macht frei

Dieses Foto entstand am Neumondabend. Nach einem Tag, der intensiv meine innere Wahrheit berührt hatte. Was die ganze Woche vorher schon fühlbar war, und mich in eine Erkenntnis führte, wurde auf tieferer Ebene weitergesponnen, und geht die ganzen Tage so weiter. An diesem Neumondabend nach einem nicht leichten Tag, wurde ich vor diesen Himmel geführt, ich atmete tief und dachte, ja, so sieht es aus, wenn das Licht der Wahrheit die Seele berührt. Mitten im Dunkel werden die Farben sichtbar. 

Das klingt vielleicht jetzt romantisch. Ist es aber erst einmal gar nicht. Was ist denn die Wahrheit? Es gibt ja nicht die eine, einzige, für alle gültige. Es gibt nur die eigene. Diese wiederum herauszufinden, ist manchmal gar nicht so leicht. Zu sehr lernen wir meist von Kindesbeinen an, die Bedürfnisse und Vorgaben anderer zu erfüllen. Da sind Eltern, Kindergarten, Schule, Beruf, Beziehungen, Kinder…wenn wir zurückschauen, gibt es meist einen roten Faden, aus der Kindheit stammend, der sich weiter durch unser Leben zieht. Unbewusste Muster, Konditionierungen, die uns haben anpassen und funktionieren lassen.

Darunter liegt die eigentliche innere Wahrheit, die Seele, wie sie eigentlich ist, wie sie eigentlich leben möchte. Wenn diese erst einmal in Gang gesetzt wird, ist es ein wenig wie wenn eine Schleuse geöffnet wird. Es gibt kein Zurück mehr. Es ist wie eine Öffnung zum Zugang der inneren Quelle, die nun endlich sprudeln darf, und sich dann immer weiter ihren Weg bahnt. Und auf diesem Weg kann es schon ganz schön turbulent werden. Eine Menge Hindernisse kann es geben, vielleicht soll mal gleich schnell diese Öffnung wieder verschlossen werden, vielleicht gibt es Versuche, diesen wilden Bach ruhigzustellen, vielleicht den Fluss zu begradigen, vielleicht noch mal schnell eine Staumauer reingesetzt, doch letztendlich ist das Wasser nicht mehr aufzuhalten, denn die Quelle fließt, unaufhörlich, und hat gar keine Lust mehr zu versiegen;).

Wenn ich mir vorstelle, wie viele solcher Quellen einfach zugestopft werden, und das kann schon bei den ersten Fragen bei Kindern geschehen, “frag nicht so dumm”, die magisch blickenden Augen mit einem “Quatsch, das gibts doch garnicht” stumpf gemacht werden, kommt mir immer wieder ein kaltes Frösteln. Auf der anderen Seite weiß ich, dass es für jeden diesen Moment geben kann, dass der Stöpsel zur Quelle rausfliegt…wann, weiß niemand, bei wievielen auf einmal auch nicht…aber was alles möglich ist, hat uns ja grade eine Greta Thunberg vorgeführt, das haben uns all die Missbrauchsskandale gezeigt, und eines ist bei allem sichtbar. Es hat mit nur einem angefangen, der seine Wahrheit ausgesprochen hat. Noch nicht wissend, dass weitere folgen würden.

Eines ist auch klar. Fange ich an, meine Wahrheit auszusprechen und zu leben, stößt dies keinesfalls nur auf Beifall und Unterstützung. Oft ist die Wahrheit unbequem, oft ja schon, sie sich selbst einzugestehen. Wenn eine Quelle beginnt zu fließen, verändert sich etwas. Es bedeutet, einen vorher sehr begrenzten Raum zu verlassen, ins Ungewisse zu fließen und das kann schon Angst machen. Ebenso bedeutet es, dass diejenigen, denen unser begrenztes Dasein diente, mit Widerstand, Vorwürfen, Ausgrenzung oder Anfeindung reagieren. Auch dies macht Angst. Denn es kann bedeuten, vieles loszulassen und ein ganzes Stück Weg auch mal alleine zu fließen. Doch je mehr Erfahrungen die Quelle auf ihrem Weg macht, umso mehr lernt sie, dass sie eigentlich spielend alle Hindernisse überwindet, vor denen sie mal so Angst gehabt hatte. Manch einer will sie auch aufhalten, indem er leidvoll hinter seinen Mauern kundtut, wie schuldig sie sich macht, weil sie nun einfach fließt, ihn dort lässt. Manch einer begegnet ihr mit Neid, Eifersucht, Mißgunst, nur weil sie fließt.

Doch irgendwann spielt es für sie keine Rolle mehr, wie andere auf sie schauen. Denn sie hat eines entdeckt. Die Freude am einfach Fließen. Aus sich selbst heraus, und sie ist sich selbst genug. Sie wird nicht diejenige sein, die andere Quellen zumauern möchte, sie wird sich freuen, dass es da noch andere gibt. Und all diese Quellen  wissen, Wahrheit macht frei. Weil jede ihre lebt und aus sich selbst schöpft. Und weil es nicht mehr darum geht, andere zu missionieren, sie zu verändern, sie mitzunehmen auf den eigenen Weg, auch wenn wir das ohne Frage manchmal wollen. Es wird nicht funktionieren. Klar eigentlich. Denn jeder hat ja seine eigene Quelle, und wird sie finden. Und nur, weil ein anderer hinter seinen verschlossenen Mauern bleiben will, die eigene Quelle auch dahinter halten zu wollen, macht irgendwie wenig Sinn. Finde ich jedenfalls. Wer selbst die Freiheit entdeckt hat, kann gar nicht anders, als sie jedem anderen auch zu wünschen. Das macht Sinn:). 

 

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