Umpflügen

Gestern beobachtete ich einen Bauern beim Pflügen eines Feldes. Den ganzen Tag fuhr er hin und her, sogar noch abends mit Licht. Beeindruckend, wie die Grabeschaufel eines Traktors es schafft, diese Massen Erde zu bewegen.

Heute morgen stand ich davor und dachte, ja genau so ist es, wenn es ins Schattenreich der Seele geht. Da wird das unterste nach oben geholt. Nicht mehr eine Schicht drauf, kein Überschminken.

Ein einziger Umwälzungsprozess, der das bisher gewohnte Bild komplett verändert. Und erst einmal ist keine Pflanze mehr zu sehen. Kahl und nackt.

Doch es ist gleichzeitig etwas anderes entstanden. Wie in einem großen Reinigungsprozess ist ein neuer Boden entstanden. Lockerer, fruchtbarer, tiefer als vorher. Bereit, dass sich ganz Neues auf ihm niederlassen kann.

Diese Zeit des Jahres, diesmal mit dem Neumond im Skorpion, Samhain, Allerheiligen, Allerseelen führt zwangsläufig in tiefere Schichten. Es wird gesagt, der Schleier zwischen den Welten ist dünner. Und ich glaube, auch der Schleier in uns selbst ist dünner. Zwischen dem Alltagsbewusstsein und dem Bewusstsein unseres eigentlichen Selbstes, der Stimme unserer Seele, die immer wieder ihren Ruf aussendet.

Es ist wie ein inneres Umpflügen. Dem kann ich mich hingeben, oder ich kann versuchen, mit aller Kraft den befestigten Boden halten zu wollen. Während des Pflügens ist es ohne Frage ganz schön turbulent;). Doch danach ist es zu fühlen, dieses freiere Atmen, eine neue Durchlässigkeit, ein Ausdehnen in ein anderes, tieferes Sein und ein wenig prickelnde Vorfreude auf das, was da Neues kommen mag. 

Meistens gibt es in unserem Leben verschiedene Arten dieser Umpflügeprozesse. Richtig heftige, tiefe, alles umfassende, und die, welche uns Jahr für Jahr in die Erneuerung mitnehmen. Und jedes Mal wieder neu entsteht ein anderes Bewusstsein, ein veränderter Blickwinkel, auf uns selbst, wie auch auf unser Leben. Oft erkennen wir erst rückwirkend, wozu was geschehen ist. Je mehr dies erfahren wird, umso mehr wächst das Vertrauen. Und auch die Hingabe, weil wir irgendwann erkennen, dass Widerstand sowieso zwecklos ist;). Leben bahnt sich seinen Weg und das bedeutet eben immer auch Wandel:)…

Menü schließen