Zwiegespräch

Zwei Seelen wohnen in meiner Brust heißt es so schön:). Dies drückt auch das Wort Zwiegespräch aus, da ist zwei enthalten, aber auch Zweifel, eine Art Zerrissenheit.

Du kannst es tun, oder auch lassen. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum schreibst du eigentlich? Worum geht es dir dabei? Es gibt auch andere, die mich fragen, wieso machst du das, verdienst ja kein Geld damit. Naja, es gab schon Überlegungen, zum Beispiel einen Spendenbutton einzufügen, nur weiß ich von mir selbst, wie sehr ich das bei anderen Seiten nicht mag. Bei manchen erscheint das wirklich sehr penetrant gleich auf der ersten Seite. Unterschwellig wird fast ein schlechtes Gewissen erzeugt, dass man weiterliest, ohne zu spenden. Klar, ich verstehe, dass es um das Prinzip des Gebens und Nehmens geht. Um einen Ausdruck von Wertschätzung. Aber ehrlich gesagt, keiner hat mich gebeten, zu schreiben. Und ich habe auch damals meine erste Seite angefangen, einfach so. 

Viele tun es, ich lese und höre ja auch so einiges. Und es gab immer wieder im richtigen Moment Impulse, die grade zu meinem Leben passten, manchen war ich richtig dankbar, weil sie in Worte fassten, was ich fühlte. Wenn niemand mehr schreibt, ist das nicht möglich. Allerdings gibt es natürlich auch hierbei die Schattenseiten. Denn es gibt schon auch eine ganze Menge, die Dinge erzählen, die mir ziemlich aufstoßen. Die auch ganz offensichtlich ihr Business dahinter damit aufbauen wollen. Ist ja auch nicht verwerflich. Nur ich fühlte in mir, genau das möchte ich gerade nicht.

Ich will nicht an der Bedürftigkeit der Menschen andocken. Und die ist ohne Frage groß, im Moment viele Ängste und Unsicherheiten. Und diese Suche lässt leicht verleiten, den verschiedensten Heilsversprechen und Angeboten zu folgen. Manches mag auch gut und wichtig sein. Und vielleicht durchläuft jeder auf dem spirituellen Weg eine Phase, in der einfach viel angeschaut wird, ausprobiert wird, bis sich immer mehr der eigene Weg darin zeigt. Ich jedenfalls bin in wirklich vieles eingetaucht und brauchte das wohl auch so, letztendlich, um es heute nicht mehr zu brauchen;).

Und genau darin liegt wieder der Knackpunkt. In mir ist die tiefe Überzeugung, dass jeder im Grunde alles Wissen in sich trägt. Dies ist durch vieles überdeckt, das für mich immer mehr große Thema Trauma spielt dabei eine entscheidende Rolle, und es braucht für jeden da seinen ganz eigenen Weg, zur eigenen Seelenessenz zu finden, sich zu befreien von der Macht und Manipulation von außen. Wenn ich überzeugt bin, dass wir keine neuen Gurus brauchen, dann baue ich mich selbst nicht zu einem auf. Es ist nicht schwer, und es gab auch in meinem Leben verführerische Phasen, in diese Richtung zu gehen. Doch ich gehe nun mal sehr klar einen Weg der Selbsterkenntnis, und fühle mich in erster Linie meiner eigenen Wahrhaftigkeit verpflichtet. Und da heißt es, sehr ehrlich mit sich zu sein.

Wenn ich mich selbst aus Abhängigkeiten befreien will, erzeuge ich nicht neue. Wenn ich selbst frei werden möchte von Bewunderung im außen, darf ich das Bewundern anderer nicht brauchen. Ebenso darf ich mich dem stellen, was Kritik mit mir macht. Im Grunde ist das hier wie eine Art Selbstchallenge, schönes modernes Wort;). In jedem Moment, den ich schreibe, wenn ich etwas manifestiere, kann ich deutlicher und klarer erkennen, wie es in mir aussieht. Daher mag ich ja jede Art von schöpferischem Tun, das kann genauso etwas Kreatives sein, was mich ausdrückt, malen, tanzen, singen, Musik machen, alles, was ich sichtbar mache, lässt mich ein Stück mehr Wahrheit von mir sehen.

Und diese meine eigene Wahrheit ist jederzeit neu zu prüfen und zu hinterfragen. Wie geschieht das? Indem ich in Berührung gehe mit den Wahrheiten anderer. Solange ich nur alleine mit mir bin, kann ich mir jedes wunderbare Konzept aufbauen. Wie sehr es Bestand hat, wo ich wirklich in meinem Leben stehe, zeigt sich in der Begegnung mit anderen. Es ist das Leben, das mich prüft und fragt, wie sieht es denn aus mit deiner Selbstliebe oder guten Grenzen, folgst du wirklich deinem Herzen oder doch den Bedürfnissen anderer? Fängst du an, dein Leben auch spirituell nur wieder den Wahrheiten anderer unterzuordnen?

Grade ist es mir wieder mal begegnet, da wird gepredigt, dass tatsächlich eine Unterwerfung unter einen wohlgemerkt Menschen! stattfinden muss, um frei zu werden. Hä?! Da unterwirft sich die Frau bewusst dem Mann, der Mann bewusst deren beider Meister, verbunden mit dem Angebot einer sehr teuren Ausbildung für andere, Gleiches zu tun. In Videos wird von dem Einsatz wertvoller Pflanzenmedizin gesprochen, gemeint ist Ayahuasca, mit der die Brechung des Egos erreicht werden soll. Der Run auf diese Droge, die ursprünglich zeremoniell-religiös eingesetzt wurde, nimmt offenbar immer größere Ausmaße an. Hier darf sich wirklich jeder selbst sehr gut informieren. Oder seinem Bauchgefühl vertrauen…bei mir gibt es nur ein klares Nein. Ich unterwerfe mich nicht, sondern übe mich in freiwilliger Demut, ich lasse mein Ego nicht brechen, sondern gebe meinem Sein einfach immer mehr Raum, Weite und einen größeren Horizont. 

Wenn ich manchmal zweifle, ob ich überhaupt schreiben soll, ob nicht doch sowieso jeder seinen Weg eben geht, seine Erfahrungen braucht, denn es ist das Leben, was uns lehrt, so sind das wieder Momente, wo ich einfach nicht anders kann. Ich selbst war immer wieder froh, die Meinung freier Menschen zu hören, sie hat mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Und wenn geht es mir darum. Mut zu machen. Nicht mir oder sonstjemand zu folgen. Sondern der Stimme des eigenen Herzens, dem eigenen gesunden Bauchgefühl, dem eigenen tief in uns liegenden Wissen, sich zu öffnen für die Weisheiten der Natur, der kosmischen Führung zu vertrauen, sich nicht mehr zu verurteilen, sondern anzunehmen, in aller Unperfektheit, dafür zeige ich mich gerne auch unperfekt;). Solange ich unperfekt bin, weiß ich, dass ich lebe, dass ich bereit bin, weiter zu wachsen, mich dem Wandel und neuen Erkenntnissen zu öffnen. Zwiegespräche mit sich selbst sind ziemlich wertvoll, weil sie mich lehren, es darf eben wirklich alles da sein:).

Nachzwiegespräch;): Ich meine hier nicht die bei einer Traumaaufarbeitung natürlich notwendige, gute, professionelle Begleitung. Gerade hierbei wäre jedoch das obige erwähnte Beispiel fatal. Trauma bricht sowieso ein Ego, Missbrauch unterwirft mit Macht. in vielerlei spirituellen Angeboten wird in der Tiefe nicht an der Wurzel gearbeitet bzw. oberflächlich manchmal noch mehr Schaden angerichtet mit weiterem Druck, Förderung des Flüchtens in himmlische Sphären, in Konzepte zu zwängen, anstatt der Seele den Raum zu geben, sich selbst wiederzufinden. So, das musste noch gesagt werden;). 

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