Leb wohl, geliebter Gefährte

Heute bist du gegangen, ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Wir hatten eine Vereinbarung, dass du mir sagen würdest, wenn es an der Zeit ist. Du hast mir Zeichen gegeben, dass es Zeit ist, dich zu erlösen. Weißt du, wir Menschen haben ein wenig verlernt, zu begreifen, dass der Tod zum Leben gehört. Vor vielen Jahren war es Aiyana, wie du weißt, die mich so viel darüber gelehrt hat. Ich hätte sie niemals gehen lassen. Das wusste sie. Mit nur 10 Monaten brauchte es einen Unfall, mit dem sie sich verabschieden konnte. Und mir auch hinterlassen hat, wie ihr geliebten Hundegefährten so viel von allem wisst. Und was ihr uns lehrt. Vor kurzem habe ich darüber geschrieben…hier mehr zu der “dunklen Nacht der Seele”.

Obwohl ich das alles wusste, ich bin mit dieser Entscheidung noch einmal durch die dunkle Nacht der Seele gegangen. Ich habe das große Glück, eine Menschengefährtin an der Seite zu haben, die ebenso mit den beiden Welten vertraut ist. Sie schickte mich auf eine Reise, zu dir. Ich habe sie angetreten, und um dich zu treffen, hieß es, sich bewusst in das Dunkel zu wagen. Es ist für mich nicht so ein großes Problem, ich bin schon oft da durch gegangen. Gut, heute, weil ich dir dadurch begegnen durfte. Du hast mir gezeigt, wo deine Aufgabe jetzt ist. Und es ist eine wunderbare Aufgabe, ein wunderbarer Ort, den du für dich gewählt hast. So viel größer, als noch einen Moment in deinem Körper jetzt zu bleiben, der dich nur noch gequält hat.

Weißt du, du bist es mehr als wert, dass ich noch einmal durch die dunkle Nacht der Seele gegangen bin. Seit gestern hast du mich noch einmal auf eine andere Reise geschickt, all die Jahre, die wir zusammen verbracht haben. Heute morgen habe ich seitenweise geschrieben, an dich. Dieser Brief galt nur dir, ich habe ihn dir heute nach deinem Weggehen an dem Platz im Wald noch einmal vorgelesen. Und dann verbrannt. Und ich darf dies erzählen, weil es auch dir wichtig ist, dass wir Menschen einen Umgang finden mit dem Tod. Es hat mir sehr geholfen, ein Regenbogenband für dich zu kreieren, das du seit gestern um den Hals trugst, für deinen Weg über die Regenbogenbrücke. Du darfst es mitnehmen. Ein zweites liegt an diesem Ort im Wald. Ein drittes ist jetzt um meinen Trommelschlegel gebunden, weil mein anderer Hundegefährte auf seine Weise wirkte. Er hat meinen Schlegel in seine Zähne bekommen, und das abgerissen, was vorher daran war. Ich verstehe es, jetzt.

Jordi, mein geliebter Gefährte. Uns hat so viel verbunden. Du warst mein Begleiter in den schwierigsten Jahren meines Lebens. Erst jetzt habe ich wirklich verstanden, warum du so sehr zu mir wolltest. Ich weiß, ohne dich hätte ich diese Jahre nicht so überstanden. Du hast mich von Anfang an gelehrt, dass es meine Aufgabe ist, meinem Herzen zu folgen. Du hast wie ich schlimmste Anfangserfahrungen in deinem Leben erlebt. Du hattest, wie ich schon einmal, mit deinem Leben abgeschlossen. Und hast wie ich wahrhaft liebende Menschen gefunden. Ja, es war bei dir wie bei mir nur eine, erstmal. Aber diese eine bahnte dir den Weg in dein Leben zurück. 

Es war diese eine, die mir vermitteln konnte, wie wichtig Freiheit für dich ist. Auch du warst nicht ein Hund, wie er zu sein hatte, wie ich auch nicht, als Mensch. Ich gewährte sie dir, du hast mein Vertrauen in dich nie enttäuscht. So viele Menschen, die dir aufgrund deiner Geschichte mit Mitleid begegnet sind. Du brauchtest und wolltest das nicht. Wie ich auch nicht. Ich habe deine Augen gesehen, und in diesem Moment wusste ich, ich begegne grade einer sehr großen Seele. Sie ist weitaus größer, als vordergründig deine absolut berechtigten Ängste zeigten. Ich glaube, auch du hast dieses dein Leben so gewählt, wie ich es offenbar auch getan habe.

Denn eines hast du nie verloren. Deine Würde. Du hast auf deine Weise dafür gesorgt, dass du nicht zu funktionieren hattest. Du hast dich allem entzogen, was nicht wahrhaftig war. Du hast auf deine Weise dafür gesorgt, dass du dies noch erleben durftest. Denn du wärst beinahe schon vor 3 Jahren gegangen. Du bist geblieben, weil ich zeitgleich eine Entscheidung getroffen habe. Für mich und für mein Leben. Du bist noch einmal mitgegangen. Und durftest dich in diesen 3 Jahren heilen. Es gab noch einmal neue Menschen in deínem Leben, die dich liebten, so wie du bist. Du hast erstmalig Vertrauen gewonnen, über mich hinaus. Und das ist im Nachhinein wunderbar, dass du dir dies noch erlaubt hast. Doch eines hast du immer bewahrt. Deine Entscheidung, wann und wo du wen an dich herangelassen hast.

Mein geliebter Gefährte, ich lasse all das, was nur zwischen uns beide gehört bei uns. Ich werde die kommenden drei Tage bei dir sein, und es ist wunderbar, dass dein Körper diese 3 Tage Ruhe haben wird, vor der Einäscherung. Es braucht diese Zeit, bis sich eine Seele von ihrem Körper löst. Ich werde bei dir sein, weil ich in dieser meiner dunklen Nacht der Seele gespürt habe, was für eine wunderbare, liebende Seele du bist. Und was für eine wunderbare Aufgabe du haben wirst, und schon hast. Ich danke dir, von tiefstem Herzen, für all die Jahre, die wir zusammen verbracht haben. Ich bitte dich um Verzeihung, für all die Momente, in denen ich nicht in der Lage war, dir das zu geben, was du gebraucht hättest. Ich weiß, dass dies immer so sein wird, wenn wir mit dem Tod konfrontiert werden. Ich weiß auch, dass es für dich eigentlich keine Rolle spielt. Denn du bist als liebende Seele in mein Leben getreten. Und du warst immer auch ein Rebell. Weil du nicht so warst, wie andere dich gerne gehabt hätten.  Du hast immer herausgefordert, hey, worum, geht es dir? Soll ich so sein, wie du es willst? Du hattest und hast eine ungebrochene Kraft, dich über all das hinwegzusetzen. Für diesen deinen letzten Schritt brauchtest du meine Hilfe.Ich habe sie dir gewährt. Du hast nicht zur Verfügung zu stehen, für diejenigen, die dich brauchen. Du bist frei.  Ich liebe dich, und du darfst jetzt gehen. In die andere Welt, von der wir Menschen vielleicht sehr wenig begreifen. Du hast mich einmal mehr gelehrt, dass wir so viel mehr sind, als wir glauben, zu sein.

Ok. ich soll nicht veröffentlichen, wie dein Platz im Wald aussieht. Klar eigentlich, denn du willst frei sein. Ich sende dir die Lieder, die mich in meiner dunklen Nacht der Seele begleitet haben. Vielleicht verstehen sie nicht alle, aber das ist mir und dir egal. Wir sind beide auf unsere Weise durch das Leben getanzt. Wir haben auch zusammen getanzt. Anders, als in diesem Lied, diesem Film. Aber das spielt keine Rolle. Die Aufgabe, die du mir bis zuletzt gestellt hast, bedeutete, schau hinter die Schleier. Es ist nur ein Hauch, der uns trennt, dazwischen liegen all die Urteile, all das Nichtverstehen….wir haben miteinander getanzt, wir haben beide Unmögliches wahr werden lassen…wir sind und bleiben verbunden mit der Kraft des Regenbogens, die wir beide erfahren haben…

“Time of my live”

“You are always on my mind”

“Over the rainbow”

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