Alle Jahre wieder

Da sind sie wieder, meine sehr gemischten Gefühle, wenn es auf die Weihnachtszeit zugeht. Glitzer, Glimmer, Konsum, Hektik gemischt mit süßlichen Weihnachtsliedern auf Weihnachtsmärkten.

Und mir begegnete heute morgen dieses Blatt. Sehr zart, sehr filigran, eines der letzten am Baum, kurz vor dem Abfallen, eine kleine Öffnung in der Mitte, die bereits den Blick freigibt, wo es selbst in Kürze sein wird. Auf dem Boden. In der Verwandlung.

Ich fühle mich auch so, nach diesen intensiven letzten Wochen, dem Neumond, den Stürmen, die so vieles hervor- und herumgewirbelt haben, nackter gerade,  vieles losgelassen, im Nachspüren, was da war, im offenen Sein, was da kommen will.

Die Energie will gar nicht nach draußen, und nicht eintauchen in Hektik, Trubel, Stress und vor allem nicht in diese pseudofröhliche Scheinheiligkeit, die sich über dieses Fest der Liebe gelegt hat.

 

Um die Liebe soll es gehen…christliche Nächstenliebe…und dafür wird sich richtig angestrengt. Fieberhaft wird nach den passenden Geschenken gesucht, werden Advents- und Weihnachtsfeiern ausgerichtet, bei denen natürlich ausschließlich eine bestimmte Stimmung zu herrschen hat, Höhepunkt der Heilige Abend mit dem ultimativen Druck, dass da auch ja nichts schief geht, ob mit dem Essen, oder auch den unter den Tisch gekehrten familiären unterschwelligen Spannungen. Freude ist das Gebot. Wehe, es wird durch irgendetwas gestört. Was oft genug dann genau nicht funktioniert;), und kein Wunder ist.

Ja, natürlich habe ich es auch genossen, mit meinen Kindern in dieser Zeit zu basteln, zu backen, den Duft von Weihnachten verströmen zu lassen, Geschichten vorzulesen bei Kerzenlicht, unsere Adventskerzen waren bunt:). Und die Adventskalender sahen immer ein wenig anders aus, besonders schön fand ich unsere Teelichterstraße auf einem mit Moos, Steinen, Zapfen, Baumfrüchten und vielen Tieren, Elfen und Zwergen geschmückten Tisch, eine kleine magische Welt, jeden Tag wurde ein Teelicht mehr angezündet. Und ich begann irgendwann mein Weihnachtsbuch. Weil mir klar war, es darf doch darum gehen, das Licht in jedem von uns zu würdigen, nicht nur das in der Krippe. Mit Fotos, kleinen schriftlich festgehaltenen Begebenheiten des letzten Jahres,  bekam jeder seine “Glitzer”-Seiten, die an Heilig Abend vorgelesen wurden. Die Kinder liebten das. 

Heute spüre ich meine noch tieferen Fragen, um was für eine Liebe soll es denn nun gehen? Ist es eine Liebe, die von mir ganz besonders in dieser Zeit erwartet, nur liebevolle Gefühle zu haben, nur darauf bedacht, mit allen möglichen Gesten oder Geschenken zu beweisen, wie GUT ich doch bin? Für wen? Denn wie gut bin ich dabei zu mir?! Um welchen Preis werde ich bemüht sein, den Erwartungen anderer gerecht zu werden? Wie viel von dem, was eigentlich, ehrlich, in mir ist, darf nicht sein und muss unterdrückt werden? Und ist das dann Liebe? Das immer wieder so viel gepriesene Licht- und Liebe-Sein. Und ich spüre, nein, da stimmt was nicht. Liebe fängt, wie wir zumindest irgendwie alle wissen, bei der Selbstliebe an. Und was soll das für eine sein, die nur die lichtvollen Seiten annimmt, sich aber all die anderen nicht erlauben darf, und das auch und ganz besonders in dieser Zeit?

So ist heute im Gespräch mit einer Gefährtin eine Idee geboren. Ich möchte einmal alles da sein lassen. Es mir erlauben, jedes Gefühl zu beleuchten, was da in mir sein kann. Mir anschauen, wie sehr kann ich das wirklich annehmen? Ehrlich, ohne mich zu belügen. Denn alles, was ich da in mir nicht sein lasse, mir vielleicht garnicht bewusst ist, wird sich sowieso seinen Weg bahnen. Unbewusst in der Regel unheilvoll, bewusst heilvoll, denn Heilung ist Integration. Dann will ich der Selbstliebe und der Liebe mal ein wenig näher kommen:

Ab dem 1. Dezember wird es  hier einen LIEBES-ADVENTSKALENDER geben.

Jeden Tag werde ich einem inneren Gefühl widmen. Wie das dann aussieht, lasse ich mich selbst überraschen, auf alle Fälle wird es nicht nur um die schönen, positiven Gefühle gehen;). Und ich breche auch hier ein wenig die Konvention, er wird am 21. Dezember enden. Die Wintersonnenwende ist dieses Jahr zwar nicht am 21. , sondern frühmorgens am 22., doch ich mag diese 3 Tage Zwischenraum bis Weihnachten. Daher tauche ich mit der Wintersonnenwende bereits ein in die Raunächte, diese so besondere, intensive, magische Zeit der inneren Einkehr und des Spinnens der Visionen für das kommende Jahr. Die Adventszeit, für mich der Raum der Vorbereitung. Und nicht des theoretischen Wissens. Oder des nur Redens. Sondern ein Raum des Rückzugs, des mich Einlassens, des Fühlens, des Erspürens meines inneren Seins, mit allem, was da ist und geschehen will…

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