Liebes-Türen – 3. Tür

Ich fühle mich schuldig

…weil…

…weil ich Nein sage…

…weil ich wütend bin…

…weil ich lange unbewusst war..

…weil ich Erwartungen nicht erfülle…

…weil ich nicht mehr schweige…

…weil ich auch verletzt habe…

…weil ich Fehler mache…

…weil ich so bin… 

Es gibt gute Gründe für dieses Gefühl… Es darf da sein… Es ist eines von vielen…

Keines ist besser oder schlechter als ein anderes… Ich bewerte nicht und lasse zu…

Ich will wie eine Schale sein, mich öffnen, für jedes meiner Gefühle…

Es ist, was es ist, sagt die Liebe…

Tja, dieser Kalender ist nicht zu planen. Eigentlich wollte ich abwechseln, “Negativ”- “Positiv”…und hatte etwas anderes vorbereitet für heute. Um es leichter zu machen. Aber das funktioniert leider nicht so. Und eigentlich ahnte ich es in dem Moment, als ich die mir zugekommene Sendung “Der Wahrheit verpflichtet?” gesehen hatte und verlinkt habe. Was geschah in mir im nächsten Moment? Ich fühlte mich kurz schuldig. Weil ich so etwas Schlimmes zeige und anderen die doch so schöne Adventszeit damit vielleicht vermiese. Im nächsten Moment denke ich mir, krass, es funktioniert, immer noch, und immer wieder.

Schuldgefühle sind nicht wegzureden. Sie sind uns über im Grunde tausende von Jahren eingeimpft worden. Und wie sehr ich mich mit ihnen auch auseinandergesetzt habe, sie wo auch immer entlarvt habe. Aus irgendeiner Ecke kommen sie immer wieder hervor. Und sie sind sehr perfide. In dem Moment, in denen missbräuchliche Strukturen erkannt und bewusst werden, darf man mit Sicherheit damit rechnen, dass dies natürlich keineswegs gewollt ist. Wird das Schweigen gebrochen, wird mit Schuld agiert, wirksam, weil die Impfung nachhaltig ist. Sie spinnt wie oben das Blatt quasi in eine stumme Bewegungslosikeit ein.

Schuld und Wut sind nicht leicht, voneinander zu trennen. Denn solange ich mich in Schuldgefühlen befinde, erlaube ich mir Wut erst gar nicht. Es lohnt sich, wirklich, hinzuschauen! Schuld hält uns im Gefängnis. Denn sie flüstert mir etwas, was nicht wahr ist.  Wofür muss ich mich schuldig fühlen? Dafür, dass ich gesunde Grenzen setze? Dass ich nicht so bin, wie andere es von mir erwarten? Dass ich sage, nein, das möchte ich nicht, das tut mir nicht gut? Genau davon spricht dieser Mann in dieser Sendung, und ja, das darf da sein. Auch jetzt. Und ja, das darf mich ebenso wütend machen, wenn ich sehe, wie bis heute agiert wird.

Woher kommt diese Schuld? Und da spielen Trauma und Missbrauch natürlich eine entscheidende Rolle. Leider dann auch eine kirchliche Infiltration. Ich stelle das jetzt einfach so in den Raum…es gäbe seitenweise dazu zu schreiben. Hinfühlen…nachspüren…so wie ich mich gerade auch auf diese Reise begebe. Nicht, um es euch recht, schön, angenehm zu machen, weil es jetzt darum einfach nicht geht. Sondern weil ich einem folge, meiner eigenen Wahrheit, und mich damit ehrlich zu zeigen. Schuldgefühle werden immer wieder Begleiter sein…nein, leicht ist es nicht…aber notwendig, zu verstehen, und der Weg, der in die Freiheit führt…

Noch was Wichtiges vergessen: Wie gehe ich damit um, wenn ich erkenne, Fehler gemacht zu haben, unbewusst andere verletzt zu haben? Helfen Schuldgefühle? Perfekt sind wir wohl alle nicht. Und ja, wir verletzen uns, in der Regel nicht vorsätzlich. Sondern weil wir es nicht besser konnten oder wussten. Oder eben Trauma fatal wirken kann. Ein wacher, bewusster, verbundener Mensch wird sicherlich weniger verletzen. Was hilft wirklich? Aus meiner Sicht, die Verantwortung übernehmen, bereit sein zu lernen, bewusster zu werden, und sich dabei erlauben, auch weiterhin einfach nicht vollkommen zu sein;). Und was ist mit denen, die es nicht tun? Das ist wiederum deren Verantwortung. Ob ich sie dafür schuldig spreche, wiederum meine. Verantwortung ist etwas anderes als Schuld. 

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