Stille aushalten

Mich erreichen eine ganze Menge von Aufrufen. Gemeinsames Applaudieren am offenen Balkon für die Mitarbeiter unseres Gesundheitswesens, eine Kerze anzünden, zu einem gleichzeitigen Kirchenläuten in Deutschland und Italien, zu einer Massenmeditation, Liebe und Licht in die Welt zu senden.

Im Grunde schöne Zeichen. Und beim ersten Aufruf stand ich auch an der Terrasse. Offenbar geschieht dies viel in unserem Land und drückt ohne Frage ein Zeichen der Verbundenheit aus. Den Aufruf, eine Kerze anzuzünden, um gemeinsam gegen den Virus zu kämpfen, habe ich jedoch umformuliert weitergegeben.

Ich glaube nicht, dass es gerade darum geht, gegen etwas zu kämpfen. Und ich habe auch das leise Gefühl, dass all diese Aufrufe auch einen gewohnten Aktionismus in uns bedienen könnten. Ähnliches war zu sehen angesichts der Waldbrände in Australien, noch nicht lange her, meine Gedanken damals zur “Massenmeditation”.

Ich lese es selbst nochmal, und fühle, auch jetzt geht es, vielleicht nochmal tiefer um nichts anderes. Als ich in meiner umformulierten Weiterleitung schrieb, ich glaube dieser Virus ist im Grunde ein Geschenk für uns, gab es eine Antwort. Wie sollen Angehörige von Verstorbenen durch den Virus das als Geschenk sehen können?

Nein, das können sie sicher nicht. Doch wir können sie sehen, fühlen, ihren Schmerz…und wir können in Kontakt kommen mit unserem eigenen Schmerz, unserer Ohnmacht. Und darüberhinaus bewirkt dieser Virus noch so viel mehr. Die Welt ruht. Die Natur atmet auf. Und die größte Herausforderung offenbar ist: Die Stille auszuhalten.

Dieser Virus spricht direkt mit uns. Mit jedem einzelnen. Je unbequemer es wird, umso mehr sind wir gewohnt, uns wegzuducken, oder doch irgendetwas schnell zu tun. Zu kämpfen. Der “Kampf” gegen diesen Virus bedeutet jedoch: Ziehe dich zurück. Bewahre Ruhe. Sei mit dir verbunden. Und fühle, was das mit dir macht.

Dies bedeutet nicht, dass ich auch achtsam bin, ob jemand in meinem Umfeld meine Hilfe braucht. Es bedeutet jedoch, sehr ehrlich mit mir selbst zu sein, brauche ich es, zu helfen? Oder braucht es wirklich meine Hilfe. Es bedeutet auch nicht, dass Rituale der Verbundenheit etwas sehr Schönes sind. Doch es geht um mehr.

Die tiefere Botschaft können wir erst In der Stille fühlen…vielleicht erstmalig die Zartheit unserer Seele, die verborgenen Tränen, die verdrängten Ängste…Heilung geschieht…wenn wir nicht mehr glauben, das Böse irgendwo da draußen bekämpfen zu müssen…Heilung geschieht, wenn wir uns von der Stille berühren lassen…

Songs: Anuvan (www.surya-music-com.) alle Songs hier

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