Alles ist mit allem verbunden

Als ich diese Bilder (alle weiteren in Beitrag gestern “Um was haben wir Angst?zu sehen) bekam, fühlte  ich, da geht kein schnelles Draufschauen und wieder weg. Oder doch? Berühren sie zu sehr den Schmerz? Auch gibt es keine schnellen Worte oder begleitende schöne Klänge. Sie kamen von einer Frau, die sagte, ich kann grade mit all dem spirituellen Gerede um Corona nichts anfangen. Mich betrifft das Ganze weltlich und arbeitstechnisch genug. Sie schrieb, diese Fotos haben auch gar nichts mit Corona zu tun. Ich meinte, das fühle ich anders. Ich glaube, Corona zeigt grade einfach auf alles. Und rührt an unseren tiefsten Ängsten.

Um sie nicht zu spüren, bauen wir eine ganze Menge Mauern auf. Sie wirken nach außen und nach innen. Der wirksamste Mechanismus ist der der Verdrängung. Damit können wir uns zum Beispiel in eine schöne heile Welt retten. Ja, auch spirituell. Diese Bilder zeigen eindrücklich, dass wir von vielem wirklich nicht die gelindeste Ahnung haben. Wir erleben weder Krieg noch Hunger. Und schauen weg. Ein auch natürlicher Überlebensmechanismus, keiner von uns kann die ganze Welt retten.

Dieser Virus allerdings verbindet plötzlich die Welt. Auf wirklich nicht sehr angenehme Weise. Auf einmal sind viele hier mit Existenzängsten konfrontiert. Das Klopapier- und Nudelphänomen ist dabei das absurdeste. Keiner hungert im Moment, und dennoch gibt es offenbar die Angst davor. Die andere Seite der Welt rückt näher. Sicherheiten, auf denen wir bauten, werden auf einmal brüchig. Die Reaktionen der Menschen darauf sind sehr verschieden, und ebenso keineswegs nur erfreulich. Und das ist spirituell nicht wegzureden. Denn dies ist mehr oder weniger in unserem direkten Umfeld.

Eines ist für mich klar geworden. Am heftigsten wird es gerade die Menschen beuteln, die bis jetzt vieles verdrängt haben. Die auf Sicherheit und Kontrolle bauen. Die noch nicht sehr viel mit eigenen Ängsten konfrontiert wurden. Dieser Virus lässt die Mauern unserer Scheinwelt einreißen. Und das ist außerordentlich bedrohlich. Es ist weiterhin offen, wie die Menschheit nun damit umgeht. Der Egoismus, die eigene Haut zu retten ist noch lange nicht verschwunden. Ebensowenig wie das allgemeine Trennungsbewusstsein in allen Bereichen unseres Lebens. Dennoch, es gibt eine außerordentliche Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Es gibt Menschen wie Anuvan, der natürlich selbst ebenso betroffen ist, wirtschaftliche Auswirkungen spüren muss. Er singt, privat einfach weiter. Sein Vertrauen ist gerade nicht zu erschüttern, warum? Weil er schon vieles durchlebt hat. Sich schon mit vielem konfrontiert hat. Weil er durch Krisen bereits so sehr auf seinen tiefsten Grund gegangen ist, dass er weiß, wer er ist. Und was ihn trägt. Es ist eine große Herzenskraft, die nicht auf Komfortboden entstanden ist. Und er weiß darum, dass wir eben nicht einfach nur weltliche Menschen sind. Ich selbst bin einen ähnlichen Weg gegangen. Dies hat uns im Moment verbinden lassen.

Gestern habe ich die Frage in den Raum gestellt, um was haben wir Angst? Diese Frage ist nur sehr ehrlich zu beantworten. Ich weiß nicht, wie du sie dir beantwortest. Ich glaube, die größte Angst ist, wirklich hinzuschauen. Bei uns selbst. Und auf diese Bilder einer getrennten Welt. Sie sind der Spiegel für unser eigenes Inneres. Corona rüttelt am Schleier der Verdrängung. China war noch weit weg. Italien ist es nicht mehr. Und auf einmal wirkt er auch bei uns. Er konfrontiert uns bis hin zu unserer tiefsten Angst vor dem Tod. Beinhaltet sie nicht auch die große Frage, wie werde ich bis dahin gelebt haben? Und berührt sie dabei die Angst, was in mir alles sterben darf, um wirklich zu leben?

Möchte ich so gehen, wie ich gekommen bin? Welche Spur möchte ich hinterlassen? Corona will es hier und heute, JETZT wissen. Kein Schauen und Abschieben auf andere. Jeder darf und wird sich zeigen. Und vielleicht gibt es so etwas wie ein Neues Wir…davor steht die Verbindung zu einem Neuen Ich. Welches gerade jetzt nicht mehr weglaufen kann. Welches vielleicht auf einmal mit tiefem Schmerz und Ängsten konfrontiert wird. Fühlend, nicht mehr wegmachend, sich neu mit sich verbindend…und dann auch neu mit anderen.

Alles ist mit allem verbunden. Licht und Schatten. Angst und Liebe. Schmerz und Freude.Tod und Leben.

Das Mondjahr hat gerade begonnen. Das weibliche uralte Wissen weiß darum. Möge es jetzt leben…

Songs: Anuvan (www.surya-music.com) alle Songs hier

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