Der Feind in mir

Viele sitzen derzeit auf der Anklagebank. Viele gehen auf die Straße, zu protestieren, für unsere Freiheit. Das ist unser Recht. Laut wird es verteidigt, unser Grundgesetz. Ob irgendjemand auch ganz leise unsere Grundrechte liest? Ob irgendjemandem schon aufgefallen ist, dass diese Grundrechte von Anfang an nur auf dem Papier zu stehen scheinen? Wann wachen wir auf? Offenbar immer dann, wenn es unbequem wird. Wenn wir nicht mehr weglaufen können. Doch bevor wir wirklich hinschauen, kommt der große Widerstand.

Vielleicht saßen am Muttertag so einige Menschen dort an dem Platz an der Isar. Diskutierten laut, beschwerten sich, über das Unrecht dieser Welt. In der Hitze der Gemüter müssen sie vergessen haben, ihre Bierflaschen mitzunehmen. Ich gebe zu, das ist jetzt mal konstruiert. Dennoch war es mein erstes Gefühl, als ich dort ankam. Wenn einfach nur jeder sich um seinen eigenen Müll kümmern würde, die Welt sähe anders aus. Wenn jeder seine eigenen Schatten erkennen würde, als den Feind da draußen zu suchen, es wäre ein Anfang.

Viele wissen es auf einmal besser. Es ist leicht, hinterher, dann, wenn es neue Erkenntnisse gibt. Doch diese werden sehr oberflächlich genutzt, im Grunde, um weiter nur wieder wegzuschauen. Um im alten Spiel der großen Anklage zu bleiben. Den Coronavirus selbst habe ich von Anfang an nicht als die große Gefahr gesehen. Doch er beinhaltet eine Chance. Und eine richtig große Herausforderung. Der Virus macht nur eines sichtbar. Wie krank unser System schon so lange ist, ohne, dass Menschen auf die Straße gehen.

Wie leicht sind wir doch noch immer zu manipulieren. Und das ist für mich das Erschreckenste. Und hat für mich nur eine Schlussfolgerung. Möge doch jeder erst einmal sehr ehrlich sich selbst anschauen. Wie sieht es denn wirklich aus, mit der großen Freiheit, innerlich? Wo ist der Feind wirklich? Sitzt er nicht in mir, indem er verhinderte, schon längst mal die Augen aufzumachen? Wann habe ich mir zuletzt die Frage gestellt, wer bin ich eigentlich? Wo komme ich her? Wozu bin ich hier? Wer hat mich zu dem gemacht, der/die ich bin?

Stattdessen wird gebannt anderen zugehört und gefolgt. Und da gibt es ja viele, die ihre Wahrheit als die einzig richtige verkaufen. Ich müsste hier nur irgendetwas schreiben von der großen Durchsage, die mir die geistige Welt aufgetragen hat, dringend an euch weiterzugeben. Ich sehe, wie viele dem gerne folgen. Bist du grade müde und erschöpft? Ich sag dir, warum. Und habe gleich mal die Heilmittel in der Tasche. Es ist so einfach. Und bevor wir uns das eingestehen, wird auf die Straße gegangen. Gegen den großen Feind da draußen.

Das große Spiel von Opfer und Täter geht weiter. Wer spielt mit? Opfer und Täter. Wer spielt nicht mehr mit? Wer möchte aussteigen und schafft es irgendwie nicht? Was macht es so schwer? Weil es da eine Ahnung gibt, dass da ganz schön Unbequemes auf einen wartet. Und das kann deutlich mehr ans Eingemachte gehen, als einen Mundschutz tragen zu müssen. Ich glaube, er wird unterschätzt, der Wandel. Er lässt nämlich keinen von uns aus. Er hat nur Zeit. Die, die wir ihm geben. Bei wem also wollen wir uns wirklich beschweren?…

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