Der Tragödie 2. Teil

Auf meinem Morgenspaziergang begegnete mir direkt die Fortsetzung von gestern. Und Goethe fiel mir ein, der ja doch ein ziemlich spiritueller Mensch war. Ich muss zugeben, ich habe mich nie ganz durch die Tragödie Faust durchgearbeitet. Aber ich spüre, sie beinhaltet viel Wahres. Und er provoziert. “Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft…”  Es geht noch weiter. Und er erklärt mit seinem Protagonisten den Sinn von Zerfall und Zerstörung. Was wir das Böse nennen.

Und das ist spannend. Denn mir ist ja die Natur die große Lehrmeisterin. Und in ihr gibt es jedes Jahr aufs Neue den Zerfall. Den Tod, jeden Tag. Böse ist dies nun wirklich nicht. Da wird auch nicht gefragt, ob es falsch oder richtig ist. Es ist einfach so. Wenn ich mir die Menschheitsgeschichte anschaue, gibt es nicht weniger wiederkehrende große Einschnitte vom Zerfall ganzer Kulturen, dramatische Epidemien, die viele Tote kosteten.  Immer wieder die große Frage nach dem Warum. Vielleicht braucht es auch die Frage, Wozu?

Das für mich wirklich Verrückte gerade ist, dass irgendwie was Normales geschieht. Ein allerdings zunächst nicht einschätzbarer Virus, der sich sehr bedrohlich zeigte und in atemberaubender Geschwindigkeit ausbreitete. Und er nimmt die ganze Welt mit in eine noch nie dagewesene Reaktion. Warum? Weil er offenbar schlichtweg Angst machte. Angst vor dem Unbekannten, Angst vor dem Tod. Anfangs schien es, als könne er wirklich jeden treffen, und letztendlich jeden töten. Nun gut, mittlerweile wissen wir mehr.

Jetzt scheint die Gefahr aber noch größer zu werden. Da wird es überall aggressiver. Und die Guten zeigen sich. Die, die schon immer wussten, dass wir braven Schafe ja völlig in die Irre geleitet wurden. Welch dunkle Mächte sich da gegen uns verschworen haben. Die uns zerstören wollen. Willenlos. Kontrollieren. Schon seltsam. Alles Gedanken, die Trauma hervorruft. Und ungeheilt den Missbrauch wo auch immer fortsetzt. Und er kann sich sehr gut verstecken, sollten wir eigentlich inzwischen wissen. Auch die Kirche konnte es nicht mehr verbergen.

Und leider muss ich da sagen, die Hausaufgabe Corona wurde nicht gemacht. Und nein, ich habe nichts gegen Demonstrationen. Und schon garnichts gegen Wahrheitssuche- und Findung. Nur wenn, dann ganz. Bei sich selbst anfangend. Und dann darf ich mir zuallererst Themen wie Macht, Ohnmacht, Wut, Schuld oder Angst in der Tiefe anschauen. Dafür darf ich auch so einige Tode sterben. Und so manches Bild, das ich mir über mich selbst gemacht habe, zerstören. Und dann darf ich erleben, dass Wandel tatsächlich geschieht. 

Denn wie glauben wir denn, dass der große Wandel da draußen geschieht? Muss da nicht etwas zerfallen, zerstört werden? Und vielleicht steht an erster Stelle der Glaube an das nur Gute. Es ist doch Unsinn, dass es da nur Gute und dort nur Böse geben soll. Manchmal ist das wie in den Märchen der Brüder Grimm. Da ging es ja auch uns Frauen ganz schön an den Kragen. Getrennt wurden wir. In die böse Hexe auf der einen und das ach so brave Mädchen auf der anderen Seite. Das hatte schon System. Und diese Spaltung geht noch heute weiter.

Die Bierflaschen von gestern waren weg, sicher nicht vom Verursacher selbst weggeschafft. Ich fragte mich, ob es besser gewesen wäre, sie wären liegengeblieben. In mir entsteht ein anderes Bild…

Wenn sich alle Kinder, die bis dato missbraucht wurden, gemeinsam auf der Straße zeigen würden…alle Frauen, die jemals Gewalt erfahren haben…alle Männer, die in den Krieg geschickt wurden zum Töten…alle hungernden Menschen auf dieser Erde…alle Menschen, die getötet wurden aufgrund angeblich hoher Ideale und religiöser Selbstherrlichkeit… alle Wunden und Verletzungen auf dieser Erde…alles, was es schon vor Corona gab…und jeder seine Geschichte erzählen würde…könnte noch einer von uns sagen, er hätte damit nichts zu tun?

Und würden wir dann die Sprache Coronas verstehen? Ist er ein Virus, der stets Böses will und stets Gutes schafft? Und was, wenn ich den Satz umdrehe? Was erschaffen dann die ach nur so Guten? Will dieser Virus uns  mit einer langen großen Lüge konfrontieren? Über uns selbst? Wem wir gefolgt sind, was wir alles nicht sehen wollten, was wir glaubten zu sein? Sind nicht auch all die männlich geprägten Religionen einem Wandel unterworfen? Was hat denn wirklich Macht über uns? Was lassen wir sterben, vor der neuen Geburt?

Tja, ich bleibe dabei…wir dürfen noch viel lernen…und besser, mal weniger zu wissen, als zu glauben, alles..

…komme gerade vom Spaziergang heute…da hat doch tatsächlich jemand den Müll aus dem Versteck am Wegesrand geholt, und den Menschen direkt vor die Füße geworfen…manchmal geschehen die Dinge auch so einfach…und Nein, ich war´s nicht, sollte jemand das nun denken…ich hol ihn woanders hervor;)…

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