An der Wurzel

Mächtige Baumstämme treiben inzwischen im Wasser, einer hat sich am Ufer niedergelassen, und seinen Wächter gefunden. Ich finde es grade ja schon ziemlich spannend, was da tagtäglich so alles an die Oberfläche kommt. Und es geht offenbar immer mehr an die Wurzeln. Das kann weh tun.

Von verschiedensten Seiten, insbesondere den Frauen in letzter Zeit teilweise krasse Geschichten. Von ihren Partnerschaften, ihrem Leid, von Versuchen, auszubrechen, ihrem dann doch Bleiben, angesichts dessen, dass sie wenig Hoffnung haben, bei allem, was sie in der Männerwelt sehen. Mir nur mehr als vertraut. Und doch ist eine Bewegung zu spüren, die zunehmend am Bestehenden rührt.

Tja, liebe Männer, manchmal wünschte ich mir, ihr wäret dabei. Es wären teilweise nicht sehr angenehme Dinge, die ihr zu hören bekommen würdet. Und als würdet ihr das ahnen, macht ihr euch schon mal vorsorglich weg. Ins große Schweigen, in sehr subtile Mechanismen, die Frauen dann doch bei der Stange zu halten, im so Tun als ob, im Wechselspiel von Zuckerbrot und Peitsche. Ich mag ja bestimmte Begriffe nicht so sehr, aber bei dem, was mir da alles erzählt wird, wird eine narzisstische Prägung oft schon sehr deutlich sichtbar. Und eines mögt ihr so gar nicht. Ein Erkennen eures Spiels. Daher wird es sehr gut getarnt.

Eines ist klar. So einfach werdet ihr dieses Spiel nicht beenden. Funktioniert ja ganz gut. Gibt noch immer genug Frauen, die sich in ihrer Bedürftigkeit anbieten. Das Tragische ist, dass weder ihr, noch die Frauen auf diese Weise etwas werdet heilen können. Denn in der Regel findet sich auf beiden Seiten eine gemeinsame Wurzel. Ungeheilte Traumata. Sich dessen bewusst zu werden, macht beiden Seiten Angst. Und so geht das Spiel weiter. Glücklich wird auf diese Weise nur niemand. Sich dies einzugestehen, ist nicht einfach. Doch liebe Frauen, an diesem Punkt ist jede von uns gefragt. Warten, bis Mann aufwacht? Wie, wenn wir weiter mitspielen?

Die größte Falle, in der Frauen sitzen, ist die des Mitleides. Nicht mit sich selbst. Sondern mit dem Mann. Da kann er sich in die Arbeit oder ins Schweigen flüchten, da kann er fremdgehen, lügen, oder sogar gewalttätig werden, Frau findet immer wieder Entschuldigungen. Der arme Mann, er kann ja nicht anders. Und wenn er dann erstmal richtig krank geworden ist, kann man ja schon gar nichts mehr ändern. Und schon landen wir wieder bei dem großen Thema der Schuldgefühle. Die rühren nur leider ganz woanders her. Vom  eigenen Trauma. Und ich möchte hier nicht einseitig nur diese Mann-Frau-Konstellation benennen, denn natürlich gibt es diese, wenn auch seltener,  umgekehrt. Das Prinzip des Täter-Opfer-Spiels ist das Gleiche. Und doch sind es meist die Frauen, die bereiter für Veränderung sind. Liegt wohl in ihrer Natur. Mann kann dies allerdings auch. Jede(r), der/die aus dem Spiel das Brauchens und Benutzens zur Ablenkung von der inneren Leere oder Verwundung aussteigen will.

Wenn es an die Wurzel geht, kann dies Angst machen, wird dies an tiefem Schmerz rühren. Und es wird das eigene Leben verändern. Es gelingt kein Drüberschminken mehr, es rüttelt am Bedürfnis nach Sicherheit, an Selbstlügen, die selbst gemachte vermeintlich heile Welt wird zusammenbrechen. Warum sollte man sich das antun?Ja, deswegen wagen es viele nicht. Und verharren in Beziehungen, die sich lediglich gegenseitig im Trauma halten. Kann man tun. Oder eine Entscheidung treffen. Wir alle sind frei, es zu tun. Auch wenn es oft nicht danach aussieht. Doch eines ist im Moment zu sehen. Die Wurzeln werden immer sichtbarer. Und sie fragen…ob Mitleid wirklich Liebe ist…ob ein sich und  den anderen Schonen oder Benutzen stark macht…ob ein Verleugnen  in die Freiheit führt… ob wir es wagen, hinzuschauen… ob wir bereit sind, an der Wurzel zu heilen…

Mir gefällt, dass sich dort eine Krähe auf der Wurzel niedergelassen hat. Die Wissende um Tod und Leben. Sie weiß, dass es gilt, so manche Tode zu sterben, um leben zu können, anstatt nur zu überleben. Und das ist kein irgendwann Fertigsein, Heilung führt immer tiefer, unsere Wurzeln reichen weit zurück und ich entdecke grade immer weitere Facetten. Nicht angenehm, aber es wird leichter, je mehr wir uns dem einfach hingeben…, denn dahinter ist der Ruf des Lebens in tiefer Liebe zu uns, dass wir ganz und heil werden dürfen. Um nicht mehr symbiotisch, unheilvoll aneinanderzukleben, sondern damit Liebe, sich ihrer bewusst, frei fließen kann. Dann kann und wird auch unsere Erde  eine andere werden, ich glaube, das sind wir unseren Kindern schuldig… und ich kann vielleicht  bald keine Beiträge mehr zu Ende schreiben;), wie heute nach meinem Morgenspaziergang noch was dazu geschrieben werden wollte…schweigend, fühlend, wird einem manches bewusster…

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