Sinn oder Unsinn

Wenn ich so ein Schild sehe, wirkt das ja einigermaßen verwirrend, mit viel Nachdenken kann ich mir dann doch einen Reim draus machen. Je nach Wasserstand kann man wohl über das nahende Wehr mit Kanus fahren, oder muss vorher aussteigen. Kanufahrer werden das sicher besser wissen. Für sie macht der Hinweis auf eine Gefahr Sinn. Für mich nicht, da ich mich auf festem Boden befinde. Ein Schild, das für einen Sinn macht, für den anderen nicht, und den zwei Krähen wiederum lediglich einen guten Aussichtspunkt bietet.

Die letzte Woche ist mir ja einiges begegnet, was da alles über diese so besondere Sommerwende diesen Jahres gesagt oder geschrieben wurde. Und zunehmend fragte ich mich dann schon, wie viel Sinn das Ganze für wen macht. Irgendwie wird ja weiterhin versucht, das nicht Erklärbare in irgendein Konzept zu packen. Waren es früher Götter, die einen Blitz am Himmel erzeugten, sind es heute astrologische Deutungen und Vorhersagen, Energiewellen, die uns aus dem Universum erreichen oder bedeutsame Channelings mit der geistigen Welt.

Und dem wird unhinterfragt gerne gefolgt. Da stehe ich manchmal schon fassungslos davor. Egal, was da jemand kundtut, es wird als Wahrheit angenommen, bestätigt. Doch was spielt es denn für eine Rolle für mein Leben, wenn ich höre, oh, jetzt endet eine ganz lange Epoche, und wir stehen am Beginn einer ganz langen neuen? Oder dass jetzt irgendwelche neuen Energien aus dem Universum gesandt werden, die allerdings nur von den Lichtarbeitern wahrgenommen werden, und denen zur Verfügung stehen, die dazu bereit sind?

Mir wird jedes Mal ziemlich mulmig. Jede Religion hat für sich immer irgendein Recht auf die einzige Wahrheit beansprucht. Die anderen wurden zu Ungläubigen. Nichts anderes beobachte ich in der esoterisch-spirituellen Szene. Im Grunde wird nur eine neue Religion erschaffen. Mit Menschen an der Spitze, die meinen, die Wahrheit über die neue Zeit zu wissen und anderen Suchenden erklären zu können. Und an dem Punkt steige ich einfach aus. Weil eine solche Haltung einigermaßen anmaßend und selbstherrlich ist und abhängig macht.

Und vorallem sehe ich eins. Wie gerne der Mensch bereit ist, den Wahrheiten anderer zu folgen. Egal aus welcher Ecke. Und da sind Verschwörungstherien nicht anders zu betrachten als all die spirituellen Wahrheiten. Selbst Erkenntnisse der Wissenschaft gelten nur so lange, bis es neue gibt. Aber natürlich halten wir Menschen uns in unruhigen Zeiten gerne an etwas fest. Genau darin ist allerdings die Falle. Und führt mit Sicherheit nicht in die große neue Zeit. Neu für mich wäre, wenn wir es mal wagen, aus einem Massenbewusstsein auszusteigen.

Es zu wagen, eigene Antworten zu finden. Ehrlich sich selbst hinterfragen, wem oder was folge ich? Habe ich überhaupt einen Zugang zu einer inneren Wahrheit? Traue ich meiner Intuition ungeachtet dessen, was mir irgendein anderer über die Energien des heutigen Tages erzählt? Vertraue ich meinem Bauchgefühl? Kenne ich meine Werte und folge ich ihnen? Ohne mich selbst zur Guten und andere als die Bösen dabei zu machen? Mich als die einzig Wissende und andere als die Unwissenden? Erzeuge ich Spaltung oder Brücken des Verstehens?

Dafür braucht es eigentlich nur eine Offenheit. Jeden Tag neu. Mit eigenen, wachen Sinnen…

…wurde heute später noch aufgeklärt, früher durften Geübte noch über das Wehr fahren, inzwischen keiner mehr, weil sich zu viele überschätzt haben…gibt es wohl überall das Phänomen;)…

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