Wind und Regen

Wie gut tut mir gerade die Natur. Nicht unbedingt ein gemütliches Wetter, es ist ziemlich kalt geworden, mit teilweise Dauerregen und starkem Wind. Und der bläst einen so richtig durch, in gereinigter Luft.

Ein wunderschönes Blatt in leuchtenden Farben liegt vor mir auf dem Boden. Ich denke mir, wie anders reagiert die Natur auf Unvergesehenes, Ungemütliches. Kein Blatt, dass sich dagegen auflehnt. Es lässt sich mitnehmen, fallen und liegt dennoch voller Würde am Boden. Bereit für die Verwandlung.

Das kann man von uns Menschen nicht grade sagen. Die Wellen schlagen wieder höher, nicht nur die Fallzahlen von Corona, sondern auch auf der Seite derer, die sich gegen all die Maßnahmen aussprechen. Gestern bekam ich das Video einer Neurologin geschickt, die mit vielen sanften Worten ihre Angstbotschaft in die Welt sendet, das Maskentragen verursache irreperable Schäden im Gehirn. Wirklich wunderbar, und ein Schlag ins Gesicht all derer, die an vorderster Front in den Krankenhäusern arbeiten. Leider würden sie irreperabel geschädigt sein. Manchmal werde ich dann doch auch ziemlich wütend. Mit welcher Selbstherrlichkeit kann da im Moment jeder der will seine unsinnigsten Botschaften ausbreiten, die natürlich einmal mehr auf fruchtbaren Boden fallen. Die vielen Likes und Kommentare unter dem Video sprechen für sich. Wie viele OP-Schwestern müssten eigentlich schon vorher Ausfallserscheinungen erlitten haben, interessiert hätte es niemanden.

Die Angst der Menschen ist der fruchtbarste Boden für wirklich alles. Ob die Panik vor einem Virus, das Entsetzen, wir würden von dunklen Mächten beherrscht werden, Corona wäre ein durchkalkulierter Plan, unsere Demokratie liegt am Boden, wir sind alle nur Marionetten in einem Spiel. Und genau das sind wir auch, wenn wir egal auf welcher Seite uns mitnehmen lassen von dem Spiel mit der Angst. Sie wird so gerne genutzt, Menschen in Schach zu halten, zu manipulieren, für sich zu gewinnen, ob politisch, wirtschaftlich oder spirituell. Und ich stelle fest, es ist dann doch viel mehr die Angst, die so manche Hirnfunktion der Menschen aussetzen lässt. Am schlimmsten scheint ja die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und die vor dem Tod.

Verwandlung kann nicht geschehen, wenn ich krampfhaft an meiner alten Form festhalte. Auch nicht mit Angst, ein paar Tode zu sterben. Auch nicht, wenn ich es nur gemütlich haben will. Die Kräfte einer Seele entfalten sich dort, wo sie gefordert wird. Vertrauen wächst dort, wo ich vermeintlich in den Abgrund stürze, und erfahre, dass auf der anderen Seite tatsächlich ein neuer Weg auf mich wartet. Und ich gehe wirklich mal lieber raus, in die Natur, ohne Mundschutz… sehe ein Vergehen, und wieder Neues wachsen…spüre Kräfte, von denen wir wohl noch wenig Ahnung haben…fühle zutiefst, dass das Schlimmste, was ich im Moment wenn verlieren könnte, mein Vertrauen ist. Meine Verbundenheit mit dem Leben. Meine Hingabe, mich verwandeln zu lassen…

“Raupe müsste man sein…fressen, schlafen, fressen, schlafen…”

“Es ist das Ende der Welt, sagte die Raupe. Es ist erst der Anfang, sagte der Schmetterling”

“Wer Angst hat, sein wahres Wesen zu erkennen, gleicht einer Raupe, die sich mit Haut und Haaren gegen ihre Verpuppung sträubt, weil sie den Schmetterling nicht in sich spürt”

…und ich glaube, ein Schmetterling muss nicht mehr auf irgendeinen da oben warten, der ihn rettet, er fliegt:)…

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