Berührung

Berührung ist nicht etwas, was nur mit dem außen stattfinden kann. Dieser Baum zeigt es wunderbar. Es ist, als wäre er in einen Tanz mit sich selbst gewachsen, ertastend, erfühlend die beiden polaren Seiten in sich von männlich und weiblich, von hell und dunkel… sich selbst umarmend, sich selbst haltend und wärmend.

Meist suchen wir das im außen. Und nichts hat die Menschen so sehr auf sich selbst zurückgeworfen, wie die letzten Monate Corona. Die Umarmungen im außen blieben aus, die sozialen Kontakte waren und sind massiv eingeschränkt, Ablenkung, Reisen, Vergnügungen ebenfalls…es blieb und bleibt die Berührung mit sich selbst. 

Gerade erzählte mir wieder eine Frau, wie sehr sie mit Ausbruch von Corona heftig in alte traumatische Erlebnisse zurückgeworfen wurde. Sie sah es positiv, endlich Zeit, sich der Heilung der widmen. Gestern eine andere Frau, sie schließt ihre Praxis, weil unter den Auflagen für sie kein Arbeiten möglich ist. Ihr Mann war dabei, beide positiv gestimmt, sie würden sich jetzt ein Wohnmobil kaufen, ein alter Traum von ihr, er als Berater kann auch von unterwegs arbeiten. Er sagte, eins ist doch klar, unsere Welt wird nicht mehr wie vorher. 

Ich glaube, wenn alleine mit diesem Satz in Berührung gegangen wird, löst es etwas aus. Und vermutlich viele Ängste. Wir wollen unsere alte Welt zurück. Wenn ich auf diese beiden Frauen schaue, denke ich mir, gut, dass sie ihre alte Welt verlassen. Die Berührung mit sich selbst bedeutete bei beiden, auch sehr unangenehmen Seiten und Gefühlen ausgesetzt zu sein. Doch sie gingen nicht in den Widerstand. Und damit konnte etwas ganz Neues wachsen. Die Umarmung von etwas in ihnen, was sie nicht sehen wollten, verdrängt hatten. 

Wir alle sehnen uns mehr denn je nach Berührung. Eines habe ich in den Monaten festgestellt. Auch ich war ja sehr viel mit mir alleine unterwegs. Habe mir verschiedenste innere Facetten und Ecken nochmal tiefer angeschaut, gefühlt, durchlebt. Wenn ich heute damit neu und bewusst in die Berührung mit anderen gehe, spüre ich eine andere, tiefere Intensität. Eine ebenso noch tiefere Bereitschaft, mich berühren zu lassen, auch wenn es noch irgendwo an alten Ängsten oder Schmerz rührt. Es geht um alle Farben der Seele.

Und wie es mir immer wieder der Regenbogen zeigt, sie sind zu finden, wenn ich mich Regen und Sonne gleichzeitig aussetze. Und wenn wir Menschen ein Stück weit etwas mitnehmen können aus Corona, dann vielleicht die Erfahrung, dass es uns gut tun kann, wenn Kontrolle und Widerstand mal aufgegeben wird. Wenn wir uns mitnehmen lassen in eine Berührung mit uns selbst. Denn je mehr wir uns selbst fühlen lernen, umso mehr werden wir andere fühlen können. Und das wäre dann doch ein wunderbares Geschenk:).

Wirkliche Berührung findet in der Stille und Langsamkeit statt. Ein Grund, warum so viele genau dies vermeiden. EIn schöner Satz ist mir begegnet: “Die Stille hilft mir, die Farben meiner Seele zu entdecken und zu erhalten, ohne dass jemand dabei verletzt wird.” Damit ist eigentlich auch alles gesagt;)…

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