Erloschene Feuer

Ein November bricht an, der uns noch mehr als sonst auf uns selbst zurückwirft. Es wird immer dunkler, kälter, und dazu wird alles, was der Unterhaltung, dem Vergnügen oder der Begegnung zwischen Menschen dient, ausgesetzt oder massiv beschränkt. Fast mittelalterlich oder klösterlich, erinnert mich ein wenig an “Der Name der Rose”, Lachen nicht erlaubt. Kleiner abschweifender Gedanke;).

Denn zum Lachen ist sicherlich vielen nicht. Es gibt wohl nicht wenige erloschene Feuer in diesem Jahr. Von gescheiterten Unternehmen, Beziehungen, bis hin zu den Menschen, die gestorben sind. In diesem Jahr berührt dieser Monat wohl eine noch tiefere Schicht der Trauer, der Angst, der Hoffnungslosigkeit, der Ohnmacht und der so oft damit verbundenen Wut. Den Schmerz einfach nur zu fühlen, ohne ihn wegzumachen, ist eine große Herausforderung, immer wieder. Was es bedeutet, hindurchzugehen, kann jeder nur auf seine Weise erfahren. Und oft ist dies verbunden mit einem tiefen Gefühl des Alleinseins und abgrundtiefer Verzweiflung.

Manches erschließt sich erst im Rückblick auf unser Leben. Wie oft ging ich durch dunkle Täler im Glauben, es dieses Mal wirklich nicht mehr zu schaffen. Wie vieles musste ich zurücklassen, verabschieden, verlor ich an äußeren Sicherheiten. Doch wie sehr führte es mich immer mehr zu einer inneren Kraft. Wie sehr lehrte es mich, dass es nicht dem Leben dient, etwas krampfhalt festhalten zu wollen, was schon längst ein erloschenes Feuer war. Wie sehr erlebte ich, dass ich immer wieder neue Feuer entzünden konnte. Mehr und mehr wurde ich geschult in der Hingabe ans Leben, das eine immerwährende Bewegung ist. Jeder Tag mündet in die Nacht, jeder Morgen weiß um den Abend, jedes Geborenwerden um den Tod. 

Die kommenden Wochen sind vielleicht trüber, melancholischer als die, die hinter uns liegen. Und doch singen sie gleichzeitig schon vom kommenden Licht, der Wärme, der ausgelassenen Freude. Im tiefsten Moment des Dunkels berührt zu werden von einer geheimnisvollen inneren Kraft des Wiederaufstehens gleicht einem Wunder. Es geschieht einfach, und ich glaube, mit der Zeit wächst dadurch einfach nur ein Vertrauen ins Leben. Und damit auch die Bereitschaft, sich einmal mehr ins Dunkel zu begeben, denn es gibt kein Dunkel…ohne das Licht…und das ist keine Glaubenssache…nur etwas, was uns wohl sehr tief bewusst gemacht werden will:)…

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