Die Einladung

Es gibt einen wunderschönen Text von Oriah Mountain Dreamer, den sie an einen Seelengefährten gerichtet hat. Unten ist eine wunderbare Videoversion davon. Für mich gilt diese Einladung der Begegnung mit Menschen immer eigentlich. In gewisser Weise richtet auch Corona diese Einladung an uns. Menschen können meine Einladung annehmen oder auch nicht. Wir können die Einladung von Corona annehmen oder auch nicht. 

Denn diese Einladung lässt verletzlich werden. Sie lässt keine Beschönigung, Scheinheiligkeit, Unehrlichkeit oder ein sich Wegmachen zu. Und gleichzeitig macht sie tief berührbar. Wenn Joe Biden jetzt eine Nation heilen will, dann zumindest seinen Worten nach mit dem Offenlegen der Wunden einer gespaltenen Nation. Das schmerzt. Und zu oft will dieser Schmerz nicht gefühlt werden. Doch wozu sind wir eigentlich Menschen?

Heilung wird oft so verklärt gesehen. Will in der Tiefe etwas heilen, führt kein Weg daran vorbei, alles, wirklich alles zu fühlen. Es gibt Zeiten wie jetzt, in denen es manchmal unerträglich scheint. Nur, wie kann etwas heilen, wenn ich die Wunden, Verletzungen, Spaltungen ignoriere? Und es sind genau diejenigen Menschen, die sich nicht an die Oberfläche flüchten, sondern es wagen, in die Schatten einzutauchen, die Hoffnung geben. 

Manchmal gilt es zu akzeptieren, dass etwas nicht mehr heilt. Körperlich, oder auch seelisch. Das schmerzt besonders. Wie vielen Beziehungen gelingt es nicht mehr, Gräben zu überwinden. Dann kann Heilung auch ein Loslassen bedeuten. Ich glaube, in erster Linie geschieht Heilung dadurch, dass egal, was geschehen ist, immer wieder neu eine solche Einladung ausgesprochen werden kann. Mit dem Risiko, abgelehnt zu werden.

Es kann schmerzen, dann, wenn das eigene Herz offen ist, voller Liebe, einem anderen die Hand zu reichen. Manche können und wollen nicht. Vielleicht jetzt noch nicht, vielleicht nie, in diesem Leben. Doch dient dies nicht dazu, das eigene Herz zu verschließen und zu verbittern. Sondern trotz allem in der Liebe zu bleiben, ganz besonders auch sich selbst gegenüber. Und auf einmal kommt uns selbst eine solche Einladung entgegen…

…wir können die Einladung annehmen…oder auch nicht…wir sind frei, zu entscheiden…jeden Tag neu…

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