Wenn Worte fehlen

…dann lasse ich das erstmal einfach so. Die letzten zwei Wochen seit der Neumondin habe ich mich auf nur wenige Worte begrenzt. Sehr bewusst. Ich war der vielen Worte auch in der ganzen weiteren Krise um mich herum müde. Weil sie mir nur eines zeigen. Keiner weiß doch im Grunde, was richtig oder was falsch ist. Darüberhinaus geht es in der Länge der Zeit immer mehr ans Eingemachte. Und so wurde auch ich mit vielem konfrontiert, was noch eine Schicht tiefer mein Sein, meine Mechanismen, meine Seele berührten.

Und ich glaube, es ist der Kern, der eigentlich immer durch Krisen angestoßen wird. Noch mehr, noch tiefer In Berührung zu gehen…mir selbst gegenüber, in all dem, was ich lebe, glaube oder wofür ich gehe…und anderen gegenüber. Lange habe ich überlegt, ob ich einen Vorfall hier erwähnen soll. Denn es gibt wirklich gute Gründe, warum dieses Thema in den Medien nicht erwähnt wird. Und das ist der Suizid von Menschen. Es soll keine Nachahmung hervorrufen, wie man das als Werther-Effekt wohl nachgewiesen hat. Ich mag kein Totschweigen. In diesem Fall hat es seine Berechtigung. Und ich schreibe jetzt dennoch davon. Weil ich erstens kein Massenmedium bin. Und weil ich darauf vertraue, dass jeder meiner Leser in Eigenverantwortung hier ist.

Vor zehn Tagen stürzten sich von dieser Brücke zwei 13-jährige Mädchen gemeinsam in den Tod. Ich erfuhr nur davon, weil mir auf einem Hundespaziergang davon erzählt wurde. Kerzen und Blumen unterhalb der Brücke, ein paar wenige Schriftstücke neben diesem Pfeiler. Ich konnte nicht viel herausfinden, offenbar ging es um Versagen in der Schule. Im Grunde spielt es nur bedingt eine Rolle. Wenn zwei so junge Menschen den Tod dem Leben vorziehen, dann darf dies berühren. Und es sind noch viele mehr, jede Woche, jedes Jahr. Und ich glaube nicht, dass Corona das Schlimmste für unsere Gesellschaft ist. Das eigentliche Drama liegt schon lange unter einer wohl gehüteten Schicht aus Nichtwissen-Nichtwahrhaben-Nichtfühlen-Wollen. Uns selbst gegenüber wie auch anderen gegenüber. In der derzeitigen vordergründigen Nichtberührung geht es wohl genau darum.

Und deswegen schreibe ich darüber. Denn wer mich kennt, der weiß, ich gehe mit allem, was ich bin, für das Leben. Ich sage auch sehr klar, dass es wirklich keinen aber auch gar keinen Sinn macht, sich für ein krankes System zu opfern. Auch wenn mir sehr bewusst ist, dass dieses kranke System Opfer schafft. Und da hilft leider nur eines. Hinzuschauen. Zu fühlen. Wie geht es mir wirklich? Nicht zu schweigen, sondern irgendjemanden zu finden, mit dem zu sprechen ist. Es gibt inzwischen sehr viele Anlaufstellen, für welches Problem auch immer. Es hilft, selbst ein Mensch zu sein, der mit offenen Augen durch diese Welt geht. Der einem anderen einfach nur mal Zeit zum Zuhören schenkt. Oder aber auch direkt anzusprechen, wenn ich auf etwas stoße. Wie heute, als ich eine Frau eine Weile beobachtete, und sie irgendwann aufforderte, sie solle aufhören, ihren Hund zu treten. Sie meinte, das ginge mich nichts an. Ich erwiderte, doch, es geht mich etwas an, wenn ein Tier misshandelt wird.

Diese Welt geht uns alle an. Und jeder kann mit seinen Fähigkeiten dazu beitragen, dass wir durch diese Krise kommen. Da reicht manchmal eine Kleinigkeit, eine Anteilnahme, es braucht nicht für alles Geld. Nein, ich habe grade wirklich keine Lust mehr, in all die Corona-oder Impf-Diskussionen einzusteigen. Weil wir wirklich weitaus Wichtigeres zu tun und zu sein haben. Menschen, die sich berührbar zeigen. Menschen, die ehrlich dazu stehen, gerade nicht zu wissen, wo es lang geht. Menschen, die sich zeigen, wie es ihnen wirklich geht. Menschen, die den Mut haben, sich zuzumuten, auch wenn es schmerzt, oder unbequem ist. Menschen, die sich auch nicht in ach so tolle spirituelle Welten flüchten. Gelebte Spiritualität zeigt sich für mich darin, ob ich auch in der Lage bin, dem Dunkel und den Schatten nicht auszuweichen. Ob ich in der Lage bin, mein Licht in alldem dennoch aufrechtzuerhalten und ebenso meine eigenen Schatten damit belichte, bei allem, was um mich herum geschieht.

Und das wird gerade jeden Tag aufs Neue herausgefordert. Weniger reden. Sein. Weniger glauben, alles zu wissen, weniger urteilen. Leere zulassen. Wahrheiten aus dem Raum empfangen. Fühlen. Alles. Anfangend bei sich selbst. Keiner von uns muss gerade nur strahlen. Es ist immer wieder anstrengend. Und bedarf liebevoller Zuwendung. Mein eigenes Verbundensein mit mir ist der erste Schritt zu einem verbundenen Sein. Und alles braucht Raum und Zeit. Weibliche Qualitäten, in diesem Mondjahr werden wir ganz besonders daran erinnert.

…unbeabsichtigt lässt das Foto erkennen, welche Energie freigesetzt wird, wenn Licht das Dunkel berührt…

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