Verbinde und heile

Was für intensive Rauhnächte. Wie viele Perlen reihte sich da Tag für Tag zu etwas zusammen, das  immer mehr seinen tieferen Sinn offenbarte. Ein Erlebnis nach dem anderen ließ ein Bild entstehen, und es waren nicht nur angenehme Momente. Des öfteren dachte ich mir, ok., das Wort Rauh ist wohl nicht ohne Grund in ihnen enthalten, sie gehen echt ans Eingemachte, dulden kein sich Flüchten…zumindest, wenn ich mich drauf einlasse. Nach wie vor hat ja jeder von uns die Entscheidung. Und im Grunde lautet die Frage: Will ich in der alten Opfer-Täter-Spirale bleiben, in der Spaltung von Gut und Böse? Oder mache ich mich auf, in ein anderes Bewusstsein, das die Erfahrungen der Vergangenheit  versteht, integriert, heilt, erwachend in ein freies Schöpferbewusstsein?

“Teile und herrsche”. Dieses Machtprinzip hat seine Spuren hinterlassen. Sehr dicht filmerisch umgesetzt in dem Film, den ich in  meinem letzten Beitrag erwähnte. Unsere deutsche Geschichte ist beispielhaft dafür, was geschieht, wenn geteilt wird. In wert und unwert. Wie Manipulation und Machtmissbrauch Opfer hinterlässt. Wie die hochtraumatischen Erfahrungen in dieser Zeit und anderen Zeiten bis heute ihre Wirkung haben. Bis das Prinzip von Trauma, in der Abspaltung der Erlebnisse und dadurch eigener Seelenanteile einen Weg findet, diese in sich wieder zu verbinden. Wunderbar wurde in diesem Film gezeigt, wie es der Hauptfigur gelingt, über die Kunst Stück für Stück die Puzzleteile zusammenzusetzen zu dem eigenen Heilungsbild. Die Wahrheit erschien.

Der Film endete offen. Der Künstler schien noch nicht bewusst verstanden zu haben, was er da gemalt hatte. Die Bewusstwerdung darüber wird der nächste Schritt sein. Wie oft in meinem Leben habe ich tatsächlich Bilder gemalt, die ich erst sehr viel später verstanden habe. Rückwirkend erkannte ich, wie ich unbewusst Perle an Perle aneinandergereiht hatte. Ebenso verstand ich, warum ich welche Begegnungen, Beziehungen, Ausbildungen in mein Leben zog, sie alle wollten mir etwas zeigen, mir bewusst machen, mich letztendlich zum Aufwachen bringen, zu mir führen. Und auch ich fügte Puzzlestück für Puzzlestück zu einem Gesamtbild zusammen. Meine Wahrheit erschien. Und ich hatte das Glück wunderbarer Seelenbegleitung, dass ich es auch verstehen durfte. 

“Verbinde und heile”. Diese Worte formten sich als Essenz dieser Rauhnächte. Das fängt im Inneren an. Und es ist ein Weg. Sich wirklich zu verbinden mit sich selbst führt zwangsläufig ins Schattenreich. Es erfordert große Ehrlichkeit und die Bereitschaft alles da sein zu lassen. Jedes noch so unangenehme Gefühl. Jede noch so unbequeme Wahrheit. Kein so tun als ob. Weil es nicht mehr darum geht, wie stehe ich im außen da. Sondern nur noch darum, wieviel von mir musste ich opfern, wo überall wurde oder werde ich beschnitten, manipuliert, was habe ich verdrängt, vergessen, wo lebe ich gegen meine Wahrheit. Und auf diesem Weg können eine ganze Menge Illusionen fallen, wird so mancher Tod gestorben, bis sich die wahren Perlen zusammenfügen.

Heilung ist kein Wegmachen und auch kein Sich-Wegmachen. Heilung schaut hin. Und sie trägt viele weibliche Qualitäten in sich. Denn Heilung braucht Raum und Zeit. Sie geschieht in einem fühlenden Körper. Kein Schmerz kann mit dem Verstand erfasst werden. Kein noch so wunderbares geistig-spirituelles Konzept von der großen göttlichen Einheit wird wahr, wenn dies nicht in mir geschieht. Mich nicht mehr abzutrennen vom Schmerz, der Wut, der Ohnmacht, der Unsicherheit, der Angst. Und ebenso nicht mehr von meiner eigenen tiefen Seelenessenz, die unzerstörbar ist. In unendlicher Schöpferkraft, die nur befreit werden will. Heilung findet hier auf der Erde statt, durchlebend, fühlend als Menschen. Heilung verbindet das Dunkel mit dem Licht. Den Himmel mit der Erde. 

Heilung geschieht, wenn ich mich in meinem Schmerz sehen und zeigen kann. Heilung geschieht, wenn ich mich in meiner ganzen Freude fühlen und zeigen kann. Heilung geschieht, wenn ich meine Wahrheit einem anderen zumute, auch wenn derjenige wegläuft. Oder wenn ich mich dafür von etwas zu verabschieden habe. Heilung geschieht, wenn ich erkenne, dass ich nicht muss, sondern darf. In der Erkenntnis, dass jede Freiheit in mir selbst anfängt. Und diese darf auch Nein sagen. Denn Heilung bedeutet auch, sehr gut für sich zu sorgen. Zu spüren, wann ein Gegenüber mit dem alten Prinzip nur seine Macht ausüben will. Wir leben nun mal wirklich nicht in einer global heilen Welt. Es braucht viel Achtsamkeit, und immer wieder die Stille, um bei sich selbst anzukommen.

…und irgendwann entsteht noch ein anderes Bild…EINS und EINS macht…viele;)

und so wurde auch meine Vision “Im Kreis des Regenbogens” geboren, mehr dazu hier

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